Vom Auf und Ab in der ostdeutschen Bauindustrie

Die ersten Jahre nach der Wiedervereinigung bis 1995 waren von einem Bauboom gekennzeichnet. Der Systemwechsel von einer zentralen Planwirtschaft zur Marktwirtschaft führte zur Auflösung der staatlichen Baukombinate und -unternehmen sowie zu einer erheblichen Freisetzung von Arbeitskräften. Trotz einer sprunghaft steigenden Nachfrage nach Bauleistungen konnten diese vom Arbeitsmarkt nicht vollständig aufgenommen werden.

In der folgenden Phase des Abschwungs hat sich die Atomisierung im ostdeutschen Bauhauptgewerbe beschleunigt. Die Anzahl der Baufirmen stieg bis zur Jahrtausendwende unablässig an, die Betriebsgrößen schrumpften. Die sinkende Nachfrage nach Bauleistungen bei gleichzeitig steigender Zahl der Markteilnehmer verringerte die Kapazitätsauslastung erheblich. Das Überangebot von Arbeitskräften mit Bauberufen nahm erheblich zu.

Während der Baukrise ab 2002 verringerte sich die Zahl der Unternehmen weiter. Am Ende der Phase war der Betriebsbestand um rund 10 Prozent geringer als an deren Beginn. Die gesunkene Anzahl von Unternehmen ließ die Kapazitätsauslastung derjenigen Bauunternehmen, die sich am Markt behaupten konnten, steigen. Die Zahl der von Arbeitslosigkeit betroffenen Baufacharbeiter nahm ab, wobei demografische Gründe wie die Erreichung des Rentenalters eine Rolle spielten. Der Bedarf an Arbeitskräften nahm in der Rezession insgesamt nicht zu, der Bedarf an Fachkräften schon, der kommende Fachkräftemangel deutete sich bereits an.

Seit 2015 brachte eine enorme Nachfragesteigerung den Aufschwung. Die Anzahl der Unternehmen, die auf dem ostdeutschen Baumarkt bauhauptgewerbliche Leistungen anboten, hatte sich 25 Jahre nach der Wiedervereinigung stabilisiert und schwankt seither nur noch geringfügig. Der Markt hatte seine Teilnehmerzahl reguliert, die Kapazitätsauslastung erreichte hohe Werte. Das Angebot an verfügbaren Fachkräften nahm deutlich ab, die Personaldecke der Unternehmen wurde in der Phase des Aufschwungs immer dünner. Der Fachkräftemangel etablierte sich als eines der Grundprobleme des ostdeutschen Bauhauptgewerbes.

Im Jahr 2020 stoppte die Corona-Pandemie den Aufschwung. Die Nachfrage nach Bauleistungen brach sowohl seitens der öffentlichen als auch der privaten Auftraggeber ein. Um den Abschwung zu verhindern, benötigt die Branche jedoch kein Konjunkturprogramm, sondern die finanzielle Stärkung und Stabilisierung der privaten und öffentlichen Auftraggeber durch kluge politische Entscheidungen.

Konjunkturzyklen in der ostdeutschen Bauindustrie

Zurück